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Kitty Ray:
Die Gabe einer Liebe
S. 406 (dt. Ausgabe 2001, Weltbild Verlag)

Jay hockte zusammengesunken auf dem Boden, als sie ins Wohnzimmer kam, ans Sofa gelehnt, die langen Beine angezogen und die Arme um die Knie geschlungen. Er wirkte verhärmt, zerzaust, zerrütet, und es lief keine Musik.
Sie war nicht einmal andeutungsweise zu einer Erklärung imstande und so müde, dass es sie fast ihre gesamte verbliebene Energie kostete, einfach durchs Zimmer zu gehen. Sie blieb vor ihm stehen, ließ ihre Tasche von der Schulter gleiten und kippte ihm den Inhalt in den Schoß. Dann ging sie ins Bett, hielt auf dem Weg nur kurz an, um den Gliederring zu nehmen, der immer noch da lag, wo sie ihn an jenem Morgen zurückgelassen hatte, und ihn wieder an ihren Finger zu stecken, wo er hingehörte.
Er hob jedes einzelne Teil auf, Füller, Bleistifte, Scheckbuch, alte Rezepte, Bonbonpapiere, gebrauchte Papiertaschentücher, loses Kleingeld, kroch dann auf dem Boden umher wie ein Tier, tastete überall mit den Händen herum, damit ihm auch ja nichts entging. Erst als er sicher war, dass die Brosche wirklich nicht mehr da war, kam er hinter ihr her.
Gegen Mitternacht, als das Bedürfnis, seine Ansprüche einzufordern, übermachtig wurde, schlief er mit ihr, während sie halb wach in seinen Armen lag. Sie reagierte angemessen. Erst als er sich zurückziehen wollte, öffnete sie weit die Augen, befahl gebieterisch: "Lass das!", und umschlang ihn fest mit den Beinen, um ihn in sich zu halten. Dann schlief sie. Sie brauchte jemanden, um die Leerstelle auszufüllen, und das konnte nur Jay. Als sie sich wieder sicher fühlte, seufzte sie, lächelte und schlief ein.
4.3.08 22:24
 


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